Tendenzen DGB-Rentenkampagne

Für eine gute Rente!

Im Alter soll man seinen Lebensstandard halten können. Deshalb hat der DGB eine Kampagne gestartet. "Rente muss reichen" ist die Botschaft an die Politik – ein Jahr vor der Bundestagswahl 2017.

DGB

DGB-Rentenkampagne
29.09.2016
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Wer sein Leben lang geschuftet hat, der soll im Alter gut von seiner Rente leben können. Deshalb hat der Deutsche Gewerkschaftsbund kürzlich die Kampagne "Kurswechsel: Die gesetzliche Rente stärken!" konzipiert. Ziel ist es, höhere Renten für die heutigen Beitragszahler zu erzielen. Pünktlich ein Jahr vor der Bundestagswahl 2017 geht die Kampagne nun an den Start. Ein deutliches Zeichen – für eine faire Rente, für ein gutes Leben im Alter.

Das Wichtigste für ein gutes Leben im Alter ist zunächst einmal – klar – die Gesundheit. Gerade im Schichtdienst und körperlich fordernden Berufen gibt es jedoch Beschäftigte, die schon vor dem Rentenalter aus dem Berufsleben ausscheiden müssen. Sinnvoll wäre es daher, diesen Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, die Arbeitszeit ab einem gewissen Alter bereits zu verkürzen.

Nur so viel arbeiten, wie die Gesundheit erlaubt

Die "Flexi-Rente" soll es leichter machen, die Arbeitszeit im Alter zu reduzieren und so dem demografischen Wandel ab 2017 zeitgemäß begegnen. Das hofft das Bundeskabinett. Der Ansatz ist gut, doch leider enthält der Gesetzentwurf nur geringfügige Verbesserungen gegenüber geltendem Recht. Ein zentraler Kritikpunkt: Nach wie vor darf man erst ab einem Alter von 63 Jahren in Teilrente gehen. "Das ist für viele Arbeitnehmer, die gesundheitlich eingeschränkt sind oder einer besonders belastenden Tätigkeit nachgehen, schlicht zu spät. Wer sein Leben lang Schichtarbeit leistet, der hält das bis 63 gar nicht aus", kritisiert der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Auch dem Anspruch, den Tarifvertragsparteien mehr Verantwortung zu übertragen und die Übergänge aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand fließend zu gestalten, werden die Vorschläge nicht gerecht. Und: Wer früher in Teilzeit übergeht, muss drastische Kürzungen der Bezüge in Kauf nehmen. Das ist ungerecht und muss im Entwurf korrigiert werden.

Flexible Teilzeit, flexible Rente

Trotz ihrer Schwächen ist die Flexi-Rente schon mal ein Einstieg. Es ist schließlich wichtig, einen besseren Übergang von Teilzeitarbeit und Teilrente zu gestalten. Da muss aber noch deutlich mehr kom men. Die IG BCE fordert: Teilrente vor dem 63. Lebensjahr; ein anrechnungsfreies Gesamteinkommen aus Teilrente und Hinzuverdienst bis zur Höhe des bisherigen Bruttoentgelts; ein einfach umzusetzendes Teilrentenkonzept für die Betriebe und Beschäftigten.

Neben der "Flexi-Rente" richtet die Politik ihr Augenmerk derzeit auf die gesetzliche Rente. Sie gilt als die beste, stabilste und vertrauenswürdigste Form der Alterssicherung. Im November will Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) ein Gesamtkonzept für die Altersvorsorge vorlegen. Nahles stellte kürzlich bereits fest: "Wir brauchen eine Haltelinie beim Rentenniveau." Wie die erreicht werden kann, das hat der Deutsche Gewerkschaftsbund errechnet.

Ihm zufolge müssen einige Korrekturen am aktuell vorgesehenen Zeitplan der Beitragserhöhungen vorgenommen werden – dass die Beiträge steigen müssen, das ist angesichts der demografischen Situation (der Altersdurchschnitt in der Bevölkerung steigt, ebenso die Lebenserwartung) nicht zu bestreiten. Die Bundesregierung sieht vor, den Beitragssatz zur Rentenversicherung bis zum Jahr 2030 auf maximal 22 Prozent anzuheben. Der DGB schlägt nun vor, diese Erhöhung schrittweise vorzuziehen. Das würde Reserven in der Rentenkasse schaffen, die dazu genutzt werden könnten, ein höheres Rentenniveau zu finanzieren. Darüber hinaus verlangt der DGB, dass der Staat auch die Leistungen finanziert, die er der Rentenkasse zusätzlich verordnet hat. Dazu zählt die Mütterrente. Die ist wichtig und richtig – doch die rund sieben Milliarden Euro, die sie kostet, sollten aus DGB-Sicht mit staatlichen Mitteln finanziert werden.

Drei Säulen für eine gute Altersvorsorge

Im Drei-Säulen-Modell von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersversorgung bildet die gesetzliche Rente den wesentlichen Teil des Einkommens im Alter. Deshalb ist die Stärkung ihres Niveaus "zentrale Forderung", wie DGB-Chef Reiner Hoffmann klarmacht. Wenn die gesetzliche Rente gestärkt, die betriebliche Altersversorgung mit Betriebsrenten gestärkt und auf mehr Branchen ausgeweitet wird – dann können ältere Menschen ihren Lebensstandard im Alter halten.

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